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Schamanismus: Bedeutung, Grundlagen, Rituale und Fähigkeiten der Schamanen

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Inhaltsverzeichnis
Schamanismus: Abbildung eines Schamanen

Viele Menschen denken sofort an die Medizinmänner der amerikanischen Ureinwohner, wenn sie die Worte „Schamanismus“ und „Schamane“ hören. Doch das Konzept des Schamanismus ist viel facettenreicher und vielschichtiger. 

Schamanismus einfach erklärt

  • Schamanismus ist eine spirituelle Praxis, die in vielen Kulturen der Welt praktiziert wird.

  • Der Schamane fungiert als Vermittler zwischen der physischen und der spirituellen Welt und nutzt verschiedene Techniken wie Trommeln, Gesang und Tanz, um in einen tranceähnlichen Zustand zu gelangen.

  • Der Schamanismus basiert auf der Vorstellung, dass alles im Universum miteinander verbunden ist und dass Krankheit und Ungleichgewicht durch den Verlust dieser Verbindung verursacht werden.

  • Durch schamanische Praktiken können Menschen ihre Verbindung zur Natur und zum Universum wiederherstellen und dadurch körperliche, emotionale und spirituelle Heilung erfahren.

  • Heute wird der Schamanismus von vielen Menschen als alternative Form der Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung genutzt.

Was ist Schamanismus: Bedeutung und Erklärung des Begriffs

Der Begriff „Schamanismus“ wird in der Anthropologie als Oberbegriff für ein breites Spektrum esoterischer Praktiken und Überzeugungen verwendet, die häufig mit Hellsehen, Geisterkommunikation und Magie in Verbindung gebracht werden. Es handelt sich um eine Form der Spiritualität, die sich auf die Verbindung zwischen Mensch und Natur konzentriert.

Der Begriff hat seinen Ursprung im Tungusischen (heute Ewenken), einer Sprachfamilie in Sibirien. Das Wort „Schamanismus“ leitet sich vom sibirischen Wort „šaman“ ab, das „der Wissende“ oder „der Seher“ bedeutet. Er wurde in die Ethnologie eingeführt, um eine Vielzahl religiöser und spiritueller Traditionen zu beschreiben, die von Schamanen in verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt ausgeübt werden. Heute wird der Begriff häufig im Zusammenhang mit indianischem Schamanismus verwendet, was zu einer einseitigen Sichtweise führt. Das Wort „Schamane“ beschreibt einen Menschen, der „erregt, bewegt und erhaben ist“ (vgl. Vaitl 2012: 229). 

Schamanismus ist keine einheitliche Religion oder Philosophie, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene traditionelle spirituelle Praktiken mit ähnlichen Merkmalen.

Diese werden von vielen verschiedenen Völkern praktiziert. In Nord- und Südamerika gibt es indigene schamanische Traditionen wie die der Navajo und der Inkas. In Afrika gibt es schamanische Praktiken bei den San-Buschleuten und den Zulu. Auch in Asien sind schamanische Überzeugungen weit verbreitet, z.B. bei den Mongolen und Koreanern.

Die Grundidee des Schamanismus besteht darin, dass Schamanen als Vermittler zwischen der menschlichen und der geistigen Welt fungieren und in der Lage sind, mit Geistern, Ahnen oder anderen übernatürlichen Kräften zu interagieren. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung, dass alles im Universum miteinander verbunden ist und dass Krankheit und Ungleichgewicht durch den Verlust dieser Verbindung verursacht werden. Durch schamanische Praktiken können Menschen ihre Verbindung zur Natur und zum Universum wiederherstellen und dadurch körperliche, emotionale und spirituelle Heilung erfahren.

Schamanismus: Grundlagen der schamanischen Weltanschauung

Animismus

Die schamanische Weltanschauung beruht auf der Vorstellung einer beseelten Natur. Der Begriff „Animismus“ bezieht sich auf diese Grundüberzeugung, dass alles in der Natur beseelt ist.

Im Rahmen des Animismus wird angenommen, dass sowohl leblose Objekte als auch lebende Wesen eine geistige Essenz oder einen Geist besitzen. Diese geistige Essenz kann in Steinen, Pflanzen, Tieren, Bergen, Flüssen und anderen natürlichen Elementen vorhanden sein. 

So haben im Schamanismus nicht nur Lebewesen, sondern auch alle Gegenstände eine Seele. In bestimmten Situationen wie Krankheit oder Tod kann diese Seele den Körper verlassen. Darüber hinaus glauben die Bewohner einer schamanischen Gruppe an ein Leben nach dem Tod und an die Existenz von Vorfahrengeistern. Dieser ausgeprägte Glaube an Seelen und Geister führt zu der Vorstellung eines „beseelten Kosmos, der als großer Organismus verstanden wird“.

Ahnenkult

Ahnenkult bezieht sich auf die Verehrung und Achtung der Ahnen, die im schamanischen Glauben eine wichtige Rolle spielen. Die Geister der verstorbenen Ahnen gelten als mächtige und einflussreiche Wesen, die das Leben der lebenden Gemeinschaft beeinflussen können. Der Schamane spielt dabei eine zentrale Rolle als Mittler zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Ahnen.

Im schamanischen Kontext suchen Schamanen die Unterstützung, Führung oder Weisheit der Ahnengeister, um ihre Gemeinschaften zu beraten und zu leiten. Sie wenden eine Reihe von Ritualen an, um mit den Ahnengeistern in Kontakt zu treten und ihren Einfluss zu erfahren. Ahnenrituale und Ahnenopfer sind wichtige Bestandteile des Ahnenkultes. Mit diesen Ritualen und Opfergaben ehren und respektieren die Schamanen ihre Ahnen. Sie glauben, dass dadurch die Verbindung zu den Ahnen gestärkt wird und sie von deren Weisheit und Erfahrung profitieren können.

Die Kommunikation mit den Ahnengeistern kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Schamanen können Trancezustände nutzen, um in direkten Kontakt mit den Ahnengeistern zu treten. In diesen Zuständen empfangen sie Botschaften, Ratschläge oder Anweisungen von den Ahnen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Ahnenkultes ist die Bewahrung der Geschichten und Traditionen der Vorfahren. Die Schamanen spielen eine entscheidende Rolle bei der Weitergabe des Wissens und der Erinnerungen der Ahnen an die nachfolgenden Generationen. Sie sind Hüter des kulturellen Erbes und bewahren die Geschichte, die Bräuche und die schamanische Weisheit der Ahnen. Durch diese Bewahrung und Weitergabe trägt der Ahnenkult zur Identität und zum Zusammenhalt der Gemeinschaft bei und ermöglicht eine tiefere Verbindung mit den Wurzeln und der Geschichte der Menschen.

Himmel, Erde und die Unterwelt

Typisch für den Schamanismus ist das sogenannte „Drei-Welten-Modell“. Nach dem Glauben der indigenen Völker gibt es drei Ebenen des Kosmos, die jeweils eine andere Welt repräsentieren: den Himmel, die Erde und die Unterwelt. Diese Ebenen sind durch den “ Weltbaum “ miteinander verbunden. Der Baum symbolisiert die Weltachse und dient als Bindeglied zwischen den drei kosmischen Zonen. Der Mensch befindet sich auf der Erde, in der mittleren Welt, im Alltagsbewusstsein.

So wie der Kosmos in Ebenen gegliedert ist, besteht auch die Wirklichkeit aus zwei Dimensionen. Es gibt die Dimension des normalen Alltagsbewusstseins und die Dimension der Geister, wobei die Erde die Alltagswelt darstellt, während die Unterwelt und der Himmel die Geisterwelt repräsentieren.

Schamanen gelten als Träger übernatürlicher Kräfte und sind in der Lage, den Willen der Geister zu beeinflussen, die das Schicksal jedes Einzelnen in der Gemeinschaft bestimmen.

Die Geisterwelt existiert neben der Dimension unseres Alltagsbewusstseins und ist nur für den Schamanen sichtbar und zugänglich. Der Schamane lebt sozusagen in zwei Dimensionen. An bestimmten Orten auf der Erde, den sogenannten „Verbindungsorten“, ist es dem Schamanen möglich, in die geistigen Welten – den Himmel oder die Unterwelt – zu reisen. Quellen, Teiche, Felsspalten und Höhlen ermöglichen die Reise in die Unterwelt, während hohe Berge und Bäume den Schamanen in das Himmelreich befördern.

Durch die Verschmelzung des sichtbaren und unsichtbaren Kosmos, des Alltagsbewusstseins und der Geisterwelt trägt der Schamane zur ganzheitlichen Entwicklung und Transformation sowohl seiner Gemeinschaft als auch des Einzelnen bei. Seine Aufgabe ist es, die Harmonie zwischen Mensch, Natur und den unsichtbaren Kräften zu bewahren und den Menschen auf seiner spirituellen Reise zu unterstützen.

Historische Entwicklung des Schamanismus

Die Ursprünge des Schamanismus reichen in Sibirien und Zentralasien bis in die Altsteinzeit zurück, als die Menschen begannen, sich mit den Kräften der Natur auseinanderzusetzen. Von dort aus verbreitete er sich über die Kontinente und wurde von indigenen Völkern in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien praktiziert.

Jede Kultur hat ihre eigene Variante des Schamanismus entwickelt, angepasst an ihre spezifischen Glaubenssysteme, Rituale und kulturellen Traditionen. So hat beispielsweise der tibetische Buddhismus Elemente des Schamanismus aufgenommen. Hinweise auf schamanische Rituale wurden in Skandinavien, Sibirien und anderen Teilen Europas sowie in der Mongolei, Korea, Japan, China und Australien gefunden. Inuit- und First Nations-Stämme in Nordamerika nutzten schamanische Spiritualität ebenso wie Gruppen in Südamerika, Mesoamerika und Afrika. Das heißt, Schamanismus ist in einem Großteil der bekannten Welt zu finden.

Im 20. Jahrhundert wurde der Schamanismus in den westlichen Gesellschaften wiederentdeckt und erlebte eine Renaissance. Viele Menschen suchen nach alternativen Wegen zur persönlichen Entwicklung und spirituellen Erfahrung und finden diese in der schamanistischen Tradition.

Was ist ein Schamane und was kann er?

Der Schamane ist eine Person, die sowohl spirituelle Fähigkeiten als auch heilende Kräfte besitzt, um in der unsichtbaren geistigen Welt zu wirken und zwischen der physischen und der geistigen Welt zu vermitteln. Er dient seiner Gemeinschaft als Berater, Heiler und Orakel und hilft, Krankheiten zu heilen, Antworten auf wichtige Fragen zu finden und gute Beziehungen zu den Geisterwesen aufrechtzuerhalten.

In den meisten indigenen Kulturen, einschließlich, aber nicht ausschließlich, der indianischen Stämme, verkörpert der Schamane eine hoch qualifizierte Person, die ihrer Berufung ein Leben lang folgt. Man wird nicht einfach zum Schamanen erklärt, sondern es ist ein Titel, der nach vielen Jahren intensiven Studiums verliehen wird.

Schamanen haben die Fähigkeit, in verschiedene veränderte Bewusstseinszustände einzutauchen. In diesen Trance- oder Ekstasezuständen unternehmen sie Jenseitsreisen, um mit Geistern, Seelen und anderen geistigen Wesen in Kontakt zu treten. Sie glauben, dass diese Geister ihnen helfen können, Krankheiten zu heilen oder Probleme zu lösen. Die Erkenntnisse und Visionen, die sie in Trance erlangen, nutzen sie zum Wohle anderer, aber auch zum eigenen. Sie werden auch „Seelendoktoren“ oder „Medizinmänner“ genannt.

Der Psychologe Dieter Vaitl betont jedoch, dass eine Gleichsetzung von „Medizinmännern, Hexendoktoren, Zauberern, Magiern oder Sehern“ unter dem Begriff „Schamane“ weder ausreichend ist noch diesem gerecht wird. Vielmehr ist ein Schamane immer ein Auserwählter, der zwischen Menschen und geistigen Wesen, übermittelt. Dies spiegelt das schamanische Weltbild wider, in dem der Mensch als Teil des Kosmos gesehen wird und mit diesem in Wechselbeziehung steht.

Die erstaunlichen Fähigkeiten der Schamanen

Die Fähigkeiten eines Schamanen variieren je nach kulturellem Kontext und individueller Ausbildung. Im Allgemeinen sind Schamanen dafür bekannt, in einen tranceähnlichen Zustand zu gelangen und eine Kommunikation mit der spirituellen Welt aufzubauen. Diese Kommunikation ermöglicht es ihnen, mit Geistern, Ahnen und anderen nicht-physischen Wesenheiten zu interagieren.

Schamanen werden oft als Heiler angesehen. Sie wenden verschiedene Techniken wie Gesang, Trommeln, Tanz und Kräutermedizin an, um Heilung zu fördern und spirituelle Anliegen zu behandeln. Sie können auch als Vermittler zwischen Menschen und der Geisterwelt fungieren und Rituale für Schutz, Segen, Visionssuche und andere Zwecke durchführen.

Schamanen werden unter anderem folgende Fähigkeiten zugeschrieben:

  • 1. Trancezustände

    Schamanen können sich in einen tranceähnlichen Zustand versetzen, der es ihnen ermöglicht, mit der Geisterwelt zu interagieren und Informationen zu erhalten.

  • 2. Schamanisches Heilen

    Schamanen werden oft als Heiler angesehen und wenden verschiedene Techniken an, um körperliche, emotionale und spirituelle Krankheiten zu behandeln.

  • 3. Hellsehen

    Schamanen können als Orakel dienen und Informationen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erhalten.

  • 4. Geisterkontakt

    Schamanen können mit Geistern, Ahnen und anderen spirituellen Wesenheiten kommunizieren und sie um Führung und Unterstützung bitten.

  • 5. Ritual- und Zeremonieleitung

    Schamanen führen Rituale und Zeremonien durch, um bestimmte Absichten zu manifestieren, Segen zu erhalten oder spirituelle Transformation zu ermöglichen.

Trance und veränderte Bewusstseinszustände im Schamanismus: Reisen der Seele in andere Dimensionen

Trancezustände spielen im Schamanismus eine zentrale Rolle. Sie dienen als Brücke zwischen dem Schamanen und der Geisterwelt, wodurch der Schamane Zugang zu Informationen und spiritueller Führung erhält. Trancezustände ermöglichen es dem Schamanen, in einen veränderten Bewusstseinszustand einzutreten, der es ihm erlaubt, jenseits der physischen Realität zu reisen und mit spirituellen Wesenheiten zu interagieren. Die Techniken der veränderten Bewusstseinszustände der indigenen Völker haben das Interesse der Transpersonalen Psychologie geweckt.

Ein Trancezustand im schamanischen Kontext ist ein tiefer meditativer Zustand, der durch verschiedene Techniken wie Trommeln, Singen, Tanzen oder die Einnahme bestimmter Heilpflanzen erreicht werden kann.

Diese Techniken helfen dem Schamanen, sein Bewusstsein zu erweitern und seine Wahrnehmungsfähigkeit zu schärfen. Durch rhythmisches Trommeln oder monotones Singen können sich Schamanen in einen tranceähnlichen Zustand versetzen. Sie konzentrieren sich auf ihre Atmung, lassen sich von den Klängen und Rhythmen tragen und tauchen immer tiefer in den meditativen Zustand ein.

Eine weitere Möglichkeit, Trancezustände zu erreichen, ist die Einnahme bestimmter psychedelischer Pflanzen wie Ayahuasca oder Peyote. Diese Substanzen enthalten psychoaktive Verbindungen, die das Bewusstsein verändern und den Zugang zur Geisterwelt erleichtern können. Heute können Menschen mithilfe vom Holotropen Atem veränderte Bewusstseinszustände auch ohne Psychedelika erreichen.

Während des Trancezustandes kann der Schamane mit spirituellen Führern, Ahnen, Tiergeistern und anderen nicht-physischen Wesenheiten in Kontakt treten. Diese Begegnungen können die Form von Visionen, Botschaften, Symbolen oder intuitiven Eingebungen annehmen. Der Schamane kann Informationen und Einsichten erhalten, die für ihn selbst, seine Gesellschaft oder für die Heilung von Mensch und Natur von Bedeutung sind.

Trancezustände dienen nicht nur der Kommunikation mit der Geisterwelt, sondern auch der persönlichen und spirituellen Entwicklung des Schamanen. Sie ermöglichen es ihm, sich von der Alltagsrealität zu lösen, tiefe Erkenntnisse zu gewinnen und in einen Zustand der Ganzheit und Verbundenheit mit der Natur und dem Universum einzutreten.

Schamanisches Heilen: Schamanen als Meister spiritueller Heilung

Schamanen gelten in vielen Kulturen als Heiler. Sie verfügen über ein breites Spektrum an Techniken zur Behandlung körperlicher, emotionaler und spiritueller Krankheiten. Ihre Fähigkeiten und ihr Wissen ermöglichen es ihnen, tiefgreifende Heilungsprozesse in Gang zu setzen und nachhaltige Heilung zu ermöglichen. 

  • 1. Energetische Balance

    Schamanen glauben daran, dass Krankheiten durch eine Störung des Energieflusses im Körper entstehen. Durch verschiedene Methoden wie Handauflegen, energetische Reinigungen oder das Auflegen von Heilsteinen können sie die Energiezentren im Körper ausgleichen und den natürlichen Fluss der Lebensenergie wiederherstellen.

  • 2. Pflanzenmedizin

    Die Anwendung von Heilkräutern und Pflanzen ist eine der ältesten Formen der medizinischen Behandlung. Schamanen kennen die heilenden Eigenschaften vieler Pflanzen und wissen, wie sie diese bei verschiedenen Krankheiten einsetzen können. Sie bereiten spezielle Heiltränke, Räucherungen oder Salben zu, um den Körper auf natürliche Weise zu unterstützen und Heilungsprozesse zu fördern.

  • 3. Rituelle Arbeit

    Rituale spielen bei der schamanischen Heilung eine zentrale Rolle. Schamanen führen spezielle Zeremonien durch, um eine Verbindung zum Göttlichen herzustellen, Unterstützung von spirituellen Helfern zu erhalten und den Heilungsprozess zu intensivieren. Diese Rituale können Gebete, Gesänge, Tänze oder andere symbolische Handlungen umfassen und dienen dazu, eine heilende und harmonisierende Energie zu erzeugen.

  • 4. Trancearbeit

    Durch den Einsatz von Trancezuständen können Schamanen tief in das Unterbewusstsein eintauchen und auf verborgene Ebenen des Geistes zugreifen. In diesem Zustand können sie die tieferen Ursachen von Krankheiten aufspüren, blockierende Energien lösen und transformierende Erfahrungen ermöglichen. Die Trancearbeit ermöglicht es dem Schamanen, auf einer tieferen Ebene mit dem Menschen zu arbeiten und den Heilungsprozess effektiv zu unterstützen.

  • 5. Seelische Heilung

    Schamanen sehen Krankheit oft als ein Ungleichgewicht der Seele. Sie helfen ihren Patienten, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, emotionale Blockaden zu lösen und ihre spirituelle Ausrichtung wiederherzustellen. Durch verschiedene Techniken wie Seelenrückholung, schamanische Reisen oder Traumaarbeit unterstützen sie den Prozess der seelischen Heilung und fördern eine ganzheitliche Genesung.

Krafttiere im Schamanismus

Ein zentrales Konzept im Schamanismus ist das Krafttier.

Ein Krafttier ist ein Tiergeist oder eine spirituelle Energie, die als persönlicher Begleiter und Helfer fungiert.

Es wird angenommen, dass jeder Mensch sein eigenes Krafttier hat, das ihm Kraft, Schutz und Führung gibt. Das Krafttier wird oft als Symbol für bestimmte Eigenschaften oder Qualitäten gesehen, die den Menschen unterstützen und stärken sollen. Die Liste der Krafttiere von A-Z hilft bei der Suche nach dem persönlichen Krafttier.

Die Suche nach dem persönlichen Krafttier ist ein wichtiger Teil des schamanischen Weges. Schamanen verwenden Rituale der Visionssuche, um sich mit ihrem Krafttier zu verbinden und mit ihm zu kommunizieren. Während dieser Rituale versetzen sie sich in einen tranceähnlichen Zustand, um in die spirituelle Welt zu reisen und direkte Erfahrungen mit dem Tiergeist zu machen.

Krafttier Adler

Die Visionssuche kann verschiedene Formen annehmen. Der Schamane kann sich in die Natur begeben, um allein und in Stille zu meditieren, oder er kann spezielle Rituale durchführen, um den Kontakt mit dem Krafttier zu erleichtern. Oft beinhaltet die Visionssuche Fasten, das Singen spiritueller Lieder, das Rauchen heiliger Pflanzen oder die Verwendung ritueller Gegenstände wie Rasseln oder Trommeln.

Während der Visionssuche erscheint das Krafttier in Form einer Vision, eines Traumes oder einer starken Präsenz. Das Tier kann dem Schamanen Botschaften übermitteln, Ratschläge geben oder bestimmte Fähigkeiten und Kräfte vermitteln. Die Begegnung mit dem Krafttier ist oft von großer emotionaler Intensität und spiritueller Bedeutung, da es den Menschen auf seinem spirituellen Weg unterstützt und begleitet.

Die Verbindung zum persönlichen Krafttier ist für den Schamanen von großer Bedeutung. Es dient als Ratgeber und Beschützer, der dem Schamanen in schwierigen Zeiten Kraft und Orientierung gibt. Das Krafttier kann auch bei schamanischen Heilungsritualen oder spirituellen Reisen in andere Welten assistieren.

Das Krafttier ist nicht nur im schamanischen Kontext von Bedeutung, sondern auch in vielen anderen spirituellen Traditionen weltweit. Die Idee eines spirituellen Begleiters in Tiergestalt ist tief in der menschlichen Geschichte und im Glauben verwurzelt.

Schamanische Kraftorte

Schamanische Kraftorte werden oft als Orte mit erhöhter spiritueller Energie angesehen. Diese Orte können ein intensives Gefühl der Präsenz und der Verbindung mit der geistigen Welt vermitteln.

Schamanische Kraftorte sind für Schamanen sehr wichtig. Sie sind wie Tore zu einer unsichtbaren Welt, in der Energien fließen und Rituale ihre volle Wirkung entfalten können. An solchen Orten spüren Schamanen eine starke Verbindung zur Natur und zu den Elementen.

Diese mystischen Orte haben einen tiefgreifenden Einfluss auf schamanische Rituale und Heilpraktiken. Hier finden Schamanen die nötige Inspiration und Kraft, um mit den Geistern zu kommunizieren und sich auf spirituelle Reisen zu begeben. Die Energien dieser Orte helfen ihnen, Blockaden zu lösen und Heilung herbeizuführen.

Obwohl schamanische Kraftorte oft abgelegene Gebiete in der Natur sind, kann man sie auch an unerwarteten Orten finden – vielleicht sogar ganz in der Nähe. Es ist verblüffend zu entdecken, dass diese Kraftorte manchmal direkt vor unseren Augen verborgen sind.

Wie wird man Schamane: Schamanische Initiation und Ausbildung

Die Ausbildung zum Schamanen ist ein spiritueller Weg, der sich über zahlreiche Traditionen erstreckt. Die schamanische Initiation ist ein wichtiger Teil dieses Prozesses, in dem der angehende Schamane eine Beziehung zu den spirituellen Dimensionen und zu den Geistern und Kräften der Natur aufbaut. Es gibt keine einheitliche Methode der Initiation, da sie stark von der jeweiligen Region, Kultur und Tradition abhängt.

So werden in manchen Ländern angehende Schamanen von erfahrenen Schamanen ausgebildet und durch eine Reihe von Prüfungen und Riten geführt. Diese Ausbildung umfasst oft das Erlernen von Heilpraktiken, das Studium der Naturgesetze und das Verständnis der spirituellen Welt. Der angehende Schamane lernt auch, sich in Trance zu versetzen, um mit den Geistern zu kommunizieren und Visionen zu empfangen.

Ein wichtiger Bestandteil der schamanischen Ausbildung ist die Erfahrung persönlicher Initiationserlebnisse. Dies können intensive Visionen, spirituelle Reisen oder Begegnungen mit Geistwesen sein, die dem angehenden Schamanen Einsichten, Kräfte und Anweisungen vermitteln. Diese persönlichen Initiationserlebnisse stärken die spirituelle Verbundenheit und verleihen dem angehenden Schamanen die nötige Autorität und Fähigkeiten, um seine Aufgaben zu erfüllen.

Bei einigen Völkern waren die Schamanen oft Menschen, die an einer schwächenden Krankheit, einer körperlichen Behinderung, einer Missbildung oder einer anderen ungewöhnlichen Eigenschaft litten. Diese Eigenschaften galten als Zeichen dafür, dass sie für die schamanische Berufung bestimmt waren.

In einigen Stämmen Borneos wurden beispielsweise Hermaphroditen für die schamanische Ausbildung ausgewählt. Während es in vielen Kulturen eine Präferenz für männliche Schamanen zu geben scheint, war es in anderen Kulturen nicht ungewöhnlich, dass sich Frauen zu Schamaninnen und Heilerinnen ausbilden ließen. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass einige der ersten Schamanen, die im Paläolithikum in der Tschechischen Republik gefunden wurden, tatsächlich Frauen waren.

Auch bei den europäischen Stämmen ist es wahrscheinlich, dass Frauen neben oder sogar anstelle der Männer als Schamaninnen tätig waren. In den nordischen Sagen wird z.B. die Orakeltätigkeit der Volva, der weiblichen Seherin, beschrieben. In vielen Erzählungen und Sagen wird die Weissagung mit den Worten „Ein Lied kam zu ihren Lippen“ eingeleitet, was darauf hindeutet, dass die folgenden Worte als göttliche Botschaften von der Volva an die Götter gesandt wurden. Der Legende nach lebten bei den Kelten neun Priesterinnen auf einer Insel vor der bretonischen Küste. Sie waren für ihre hervorragenden Fähigkeiten in der Kunst der Weissagung bekannt und führten schamanische Tätigkeiten aus.

Ein letztes Wort

Der Schamanismus ist nicht nur eine rituelle Praxis, sondern auch eine Weltanschauung, die von einer besonderen Verbundenheit und Ehrfurcht gegenüber der Natur geprägt ist. Die schamanische Lehre unterteilt das Universum in eine obere, mittlere und untere Welt und beschreibt den Weg des Schamanen durch diese kosmischen Ebenen. Der Kontakt zu Krafttieren kann auf diesem Weg eine wertvolle Unterstützung sein und helfen, innere Kraft und Heilung zu erfahren.

In Deutschland hat der Schamanismus in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Menschen suchen nach alternativen Heilmethoden und Wegen zur Selbstfindung. Der Schamanismus bietet hierfür eine Möglichkeit, da er den Menschen in den Mittelpunkt stellt und seine inneren Kräfte aktiviert.


Referenzen

1. Vaitl, Dieter (2012): Veränderte Bewusstseinszustände: Grundlagen – Techniken – Phänomenologie. Stuttgart: Schattauer GmbH.

2. Walach, Harald: Einleitung. In Walach, Harald (2011): Spiritualität: Warum wir die Aufklärung weiterführen müssen. Klein Jasedow: Drachen Verlag GmbH.

3. Barbara Tedlock, The Woman in the Shaman’s Body: Reclaiming the Feminine in Religion and Medicine, 2005.

4. Eliade, Mircea: Einführende Betrachtungen über den Schamanismus. In: Paideuma (1951).

5. Wikipedia

6. Walsh, Roger N. 2005 Der Geist des Schamanismus. (Kapitel „Was ist ein Schamane?“) Düsseldorf: Patmos. S. 19-31.

7. Lommel, Andreas: Schamanismus in Eurasien. In: Anthropos (1985).

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