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Liste der kognitiven Verzerrungen in der Psychologie (21 irrationale Denkfehler nach A. T. Beck)

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Inhaltsverzeichnis
Kognitive Verzerrungen: Ein Man denkt nach

Was sind kognitive Verzerrungen bzw. cognitive biases?

Kognitive Verzerrungen oder cognitive biases sind Denkmuster oder Vorurteile, die unser Denken beeinflussen und unsere Wahrnehmung der Realität verfälschen.

Diese Verzerrungen entstehen durch verschiedene Faktoren wie Erfahrungen, Überzeugungen und Emotionen. Sie führen oft zu Entscheidungen, die nicht immer rational oder logisch sind.

Der Psychologe Daniel Kahneman hat in seinen Studien nachgewiesen, dass diese Verzerrungen unser Denken und Handeln beeinträchtigen können.

Wie entstehen kognitive Verzerrungen?

Kognitive Verzerrungen entstehen in der Regel durch systematische Denkfehler. Häufig resultieren sie aus unbewussten Entscheidungen, bei denen das Gehirn Abkürzungen oder Automatismen nutzt, um schnell zu einer Einschätzung oder einem Ergebnis zu gelangen. Diese Denkprozesse laufen bei den meisten Menschen automatisch ab und sind nicht immer bewusst wahrnehmbar.

Es gibt verschiedene Arten von kognitiven Verzerrungen, die zu einer unausgewogenen Gewichtung von bestimmten Aspekten bei der Entscheidungsfindung führen können. Einige typische Beispiele sind die Ankerheuristik, die Confirmation Bias oder der Dunning-Kruger Effect. 

Wie kognitive Verzerrungen unser Denken beeinflussen

Kognitive Verzerrungen führen häufig zu Entscheidungen, die nicht immer rational oder logisch sind und oft einer Selbstsabotage gleichkommen.

Ein Beispiel dafür ist der Bestätigungsfehler. Dieser tritt auf, wenn wir Informationen suchen und interpretieren, die unsere bereits bestehenden Überzeugungen bestätigen. Dabei ignorieren wir oft Fakten oder Beweise, die unseren Überzeugungen widersprechen.

Ein weiteres Beispiel ist der Halo-Effekt. Dieser Effekt tritt auf, wenn wir eine Person oder Sache als sympathisch und positiv bewerten und in der Folge auch alle anderen Eigenschaften positiv bewerten. Dabei kann es sein, dass die ursprünglich positive Eigenschaft gar nichts mit den anderen Eigenschaften zu tun hat.

Auch die Verfügbarkeitsheuristik ist eine kognitive Verzerrung. Dabei beurteilen wir die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach, wie leicht wir auf ähnliche Ereignisse in unserem Gedächtnis zugreifen können.

Wie können kognitive Verzerrungen erkannt und überwunden werden?

Um kognitive Verzerrungen zu erkennen und zu überwinden, muss man sich ihrer Existenz und ihrer Formen zunächst bewusst werden.

Ein erster Schritt kann sein, die eigenen Gedanken und Entscheidungen durch Selbstreflexion, Achtsamkeit und Meditation zu beobachten und zu analysieren.

Auch der Austausch mit anderen kann hilfreich sein, um verschiedene Perspektiven zu erhalten und mögliche Denkfehler zu erkennen. 

Eine der wirksamsten Techniken, um kognitive Verzerrungen zu erkennen und zu überwinden, ist die kognitive Umstrukturierung. Die kognitive Umstrukturierung ist ein zentraler Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie und wird häufig bei der Behandlung von Angststörungen, Depressionen und anderen psychischen Störungen eingesetzt. Indem wir unsere Gedanken bewusst hinterfragen und alternative Sichtweisen entwickeln, können wir uns von negativen Denkmustern befreien und eine Verbesserung unserer psychischen Gesundheit erreichen.

Häufige kognitive Verzerrungen: Liste und Beispiele

1. Katastrophendenken: Wenn kleine Fehler große Auswirkungen haben

Das Katastrophendenken ist eine häufige kognitive Verzerrung, bei der wir dazu tendieren, negative Ereignisse oder Situationen als extrem katastrophal und unausweichlich zu betrachten. Es ist eine Form der übertriebenen Generalisierung, bei der wir negative Erfahrungen übermäßig verallgemeinern und keine Alternativen in Betracht ziehen.

Menschen, die vom Katastrophendenken betroffen sind, neigen dazu, das Schlimmste zu erwarten und haben Schwierigkeiten, positive Möglichkeiten zu erkennen.

Ein Beispiel für Katastrophendenken wäre, wenn jemand aufgrund eines kleinen Fehlers bei der Arbeit sofort davon ausgeht, dass er seinen Job verlieren wird und dies das Ende seiner Karriere bedeutet. Diese Person betrachtet den Fehler als einen unverzeihlichen Fehlgriff, der katastrophale Folgen haben wird. Dabei übersieht sie mögliche Lösungen, Verbesserungen oder die Tatsache, dass Fehler zum Lernprozess gehören und von jedem gemacht werden.

2. Selektive Wahrnehmung: Wenn wir nur das sehen, was wir sehen wollen

Selektive Wahrnehmung ist eine weit verbreitete kognitive Verzerrung, bei der wir dazu neigen, Informationen oder Reize auszuwählen und zu interpretieren, die unseren bestehenden Überzeugungen und Erwartungen entsprechen. Dabei blenden wir oft Informationen aus, die unseren eigenen Ansichten widersprechen, und suchen aktiv nach Bestätigung für das, was wir bereits glauben.

Ein anschauliches Beispiel für selektive Wahrnehmung ist die „rosarote Brille“. Wenn wir frisch verliebt sind, nehmen wir nur die positiven Eigenschaften unseres Partners wahr und ignorieren mögliche negative Aspekte. Wir konzentrieren uns bewusst auf das, was uns glücklich macht und blenden Warnsignale aus. Dies verzerrt unsere Wahrnehmung der Realität und kann später zu unangenehmen Überraschungen führen.

Ein anderes Beispiel ist die politische Filterblase, in der Menschen nur noch Informationen konsumieren, die ihre eigenen politischen Ansichten unterstützen. Sie schauen gezielt bestimmte Nachrichtenkanäle, folgen nur noch ausgewählten Social Media Accounts und umgeben sich mit Gleichgesinnten, um ihre bestehenden Überzeugungen zu bestätigen. So entsteht eine verzerrte Realität, in der alternative Sichtweisen und Informationen ausgeblendet werden. Die Folge ist eine einseitige Wahrnehmung der Realität und eine mangelnde Offenheit für andere Sichtweisen.

3. Schwarz-Weiß-Denken: Die Kunst, den Grautönen Raum zu geben

Schwarz-Weiß-Denken ist eine kognitive Verzerrung, bei der wir die Welt in absoluten Kategorien sehen und keinen Raum für Zwischentöne oder Nuancen lassen. Menschen, die vom Schwarz-Weiß-Denken betroffen sind, sehen Dinge entweder als absolut richtig oder als absolut falsch an. 

Ein Beispiel für Schwarz-Weiß-Denken ist die Sicht auf Erfolg und Misserfolg. Eine Person, die unter dieser Verzerrung leidet, glaubt beispielsweise, dass nur absolute Spitzenleistungen als Erfolg gelten können, und alles andere automatisch als Misserfolg betrachtet wird. Mögliche Fortschritte oder Verbesserungen, die zwischen diesen beiden Extremen liegen, werden ignoriert. Dieses starre Denkmuster kann zu einem hohen Maß an Selbstkritik und zur Unfähigkeit führen, die eigene Leistung angemessen einzuschätzen.

Ein weiteres Beispiel für Schwarz-Weiß-Denken ist die Beurteilung von Menschen. Hier neigen wir dazu, andere entweder als ganz gut oder ganz schlecht einzustufen, ohne Raum für ihre individuellen Eigenschaften oder Handlungen zu lassen. Eine solche Einseitigkeit kann zu Vorurteilen und einer eingeschränkten Sicht auf die Vielfalt der menschlichen Natur führen.

4. Perfektionismus: Gefangen im Streben nach Vollkommenheit

Perfektionismus kann sich auf verschiedene Lebensbereiche auswirken. Ein Beispiel ist die Arbeitswelt, in der jemand ständig nach fehlerfreien Ergebnissen strebt und nie mit der eigenen Leistung zufrieden ist. Selbst bei gelungenen Projekten findet die Person noch kleinste Mängel und fühlt sich unvollkommen.

Ein Perfektionist setzt sich oft unrealistische Ziele und erwartet, dass alles in seinem Leben perfekt ist. Dies kann zu übermäßigem Stress und Druck führen, da die Person ständig bestrebt ist, den höchsten Standards zu entsprechen, und sich selbst für jede vermeintliche Unvollkommenheit kritisiert.

Perfektionismus kann auch in zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten. Eine Person mit dieser Verzerrung kann von ihrem Partner oder ihren Freunden erwarten, dass sie immer perfekt sind und keine Fehler machen. Dies führt zu Spannungen und Konflikten, da die Realität oft nicht den unrealistischen Erwartungen entspricht.

Perfektion ist nicht erreichbar und es ist wichtig, realistische Erwartungen an sich selbst und andere zu haben. Wenn wir uns von der Forderung nach Perfektion befreien, können wir mehr Selbstakzeptanz und Mitgefühl entwickeln und ein erfüllteres Leben führen.

5. Übergeneralisierung: Wenn Einzelfälle zur Regel werden

Übergeneralisierung ist ein Denkfehler, bei dem wir aus einer einzigen Erfahrung oder einem einzigen Ereignis eine weitreichende Schlussfolgerung ziehen. Wir generalisieren und verallgemeinern aufgrund dieses einen Ereignisses und wenden es auf alle ähnlichen Situationen an, ohne dabei die notwendigen Differenzierungen vorzunehmen.

Ein Beispiel dafür ist, wenn jemand bei einem Bewerbungsgespräch abgelehnt wird und dann denkt: „Ich werde nie einen Job bekommen“. Diese übergeneralisierte Schlussfolgerung basiert auf einer einzigen negativen Erfahrung und führt zu einem übermäßig negativen Denkmuster.

Eine weitere Illustration der Übergeneralisierung ist, wenn eine Person nach einem schlecht verlaufenen Date denkt: „Alle Menschen sind gleich und ich werde nie den Richtigen finden“. Hier wird aus einer einzigen enttäuschenden Begegnung eine pauschale Schlussfolgerung gezogen, die nicht auf der Realität beruht.

Übergeneralisierung führt zu einem eingeschränkten Denken, das uns daran hindert, alternative Perspektiven oder positive Aspekte zu sehen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Einzelfälle nicht automatisch die allgemeine Regel sind und dass jede Situation individuell beurteilt werden sollte.

6. Übertriebene Verantwortung: Wenn wir uns für alles Negative verantwortlich fühlen

Bei der übertriebenen Verantwortung fühlen wir uns übermäßig verantwortlich für negative Ereignisse oder Situationen, auch wenn es objektiv betrachtet keinen direkten Grund dafür gibt. Menschen, die unter dieser Verzerrung leiden, geben sich selbst die Schuld und nehmen für alles Negative, das um sie herum geschieht, die Verantwortung auf sich.

Nehmen wir zum Beispiel eine Person, die in einer sozialen Situation feststellt, dass andere Menschen sich nicht wohl fühlen oder nicht miteinander auskommen, und daraus den Schluss zieht: „Es muss an mir liegen. Ich bin schuld, dass die Stimmung so ist“. Diese übertriebene Verantwortung führt dazu, dass die Person eine unangemessene Last auf sich nimmt und sich für Dinge verantwortlich fühlt, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen.

Eine weitere Veranschaulichung von übertriebener Verantwortung ist, wenn jemand erfährt, dass ein Familienmitglied erkrankt ist, und sich dafür verantwortlich fühlt. Er denkt: „Ich hätte mehr tun können, um das zu verhindern. Es ist meine Schuld, dass sie krank geworden sind“. Hier wird eine übertriebene Verantwortung übernommen, die weder realistisch noch gerecht ist. Diese übertriebene Verantwortung führt zu einem hohen Maß an Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen.

7. Gedankenlesen: Wenn wir uns einbilden, die Gedanken anderer zu kennen

Gedankenlesen ist ein Denkfehler, bei dem wir annehmen, wir wüssten, was andere Menschen denken oder welche Absichten sie haben, ohne tatsächlich darüber informiert zu sein. Diese Verzerrung beruht auf Vermutungen und Annahmen, die oft falsch sein können. Sie kann zu Missverständnissen und Konflikten in zwischenmenschlichen Beziehungen führen.

Ein Beispiel für Gedankenlesen ist, wenn wir annehmen, dass unser Partner wütend auf uns ist, nur weil er/sie schweigt und einen ernsten Gesichtsausdruck hat. Wir interpretieren sein Verhalten als Zeichen von Ärger oder Enttäuschung, ohne zu wissen, was wirklich in seinem Kopf vorgeht.

Ein anderes Mal glauben wir, dass unser Kollege uns absichtlich ausschließt, weil er mit anderen Mitarbeitern zu Mittag essen geht, ohne uns einzuladen. Wir nehmen an, dass er negative Gedanken über uns hat, obwohl wir keine konkreten Hinweise dafür haben.

Wir können die Gedanken anderer Menschen nicht lesen. Jeder Mensch hat seine eigenen Gedanken, Gefühle und Sichtweisen, die nicht immer deutlich erkennbar sind. Anstatt voreilige Schlüsse zu ziehen, ist es besser, offen zu kommunizieren und nachzufragen, um Missverständnisse zu vermeiden.

8. Emotionales Argumentieren: Wenn Emotionen blind machen

Emotionales Argumentieren bedeutet, dass wir Argumente und Entscheidungen eher auf der Grundlage von Empfindungen und Gefühlen treffen als auf der Grundlage rationaler Überlegungen. Menschen, die von dieser Verzerrung betroffen sind, lassen ihre Emotionen die Oberhand gewinnen und vernachlässigen möglicherweise wichtige Fakten oder logische Argumente.

Ein Beispiel für emotionales Argumentieren ist, wenn wir uns für den Kauf eines bestimmten Produkts entscheiden, nur weil es uns ein gutes Gefühl gibt, ohne die objektiven Eigenschaften oder den Wert des Produkts zu berücksichtigen. Wir lassen uns von unserer emotionalen Reaktion auf das Produkt leiten, anstatt eine rationale Bewertung vorzunehmen.

Ein weiteres Beispiel für emotionales Argumentieren ist in politischen Diskussionen zu beobachten. Entscheidungen über politische Positionen oder Kandidaten werden häufig auf der Grundlage emotionaler Bindungen oder Präferenzen getroffen und nicht auf der Grundlage fundierter Informationen und Argumente.

9. Die Verfügbarkeitsheuristik: Wenn leichte Zugänglichkeit unser Urteil beeinflusst

Die Verfügbarkeitsheuristik ist eine kognitive Verzerrung, bei der wir die Wahrscheinlichkeit oder Häufigkeit eines Ereignisses danach beurteilen, wie leicht uns Beispiele oder Informationen dazu einfallen. Wenn uns leicht Beispiele für etwas einfallen, neigen wir dazu, es für häufiger oder wahrscheinlicher zu halten, auch wenn dies nicht unbedingt der Fall ist.

Ein Beispiel für die Verfügbarkeitsheuristik ist die Häufigkeit von Flugzeugabstürzen. Wenn wir uns leicht an spektakuläre Medienberichte über Flugzeugabstürze erinnern, nehmen wir vielleicht an, dass Flugzeugabstürze häufiger sind, als sie tatsächlich sind. Obwohl Flugzeugabstürze extrem selten sind, bleiben sie aufgrund ihrer Medienpräsenz in unserem Bewusstsein und beeinflussen unsere Wahrnehmung.

Ein weiteres Beispiel ist der Einfluss persönlicher Erfahrungen. Wenn wir selbst oder Menschen in unserem Umfeld negative Erfahrungen mit einem bestimmten Produkt oder einer Dienstleistung gemacht haben, kann dies unsere Einschätzung der Häufigkeit solcher negativen Erfahrungen verzerren. Wir halten es dann für wahrscheinlicher, dass solche Probleme auftreten, als es objektiv der Fall ist.

10. Rückschaufehler: Wenn wir vergangene Ereignisse anders beurteilen

Rückschaufehler bzw. retrospektiver Fehler tritt auf, wenn wir vergangene Ereignisse rückblickend so beurteilen, als hätten wir sie vorhersehen oder verhindern können, obwohl dies objektiv nicht möglich war. Diese Verzerrung führt dazu, dass wir uns selbst für Fehler oder Misserfolge verantwortlich machen, obwohl sie außerhalb unserer Kontrolle lagen.

Ein Beispiel für einen solchen retrospektiven Fehler ist der Blick auf die Finanzkrise von 2008. Nach dem Ausbruch der Krise denkt man vielleicht: „Ich hätte meine Aktien verkaufen sollen, dann hätte ich Verluste vermieden“. Diese rückblickende Einschätzung ignoriert jedoch die Tatsache, dass es zum Zeitpunkt des Geschehens viele unvorhersehbare Faktoren gab und es für die meisten Menschen schwierig war, die Krise vorherzusehen.

Ein weiteres Beispiel für einen Rückschaufehler sind persönliche Entscheidungen. Wenn wir zum Beispiel eine Beziehung beenden und im Nachhinein denken: „Ich hätte die Zeichen erkennen und die Trennung verhindern müssen“, ignorieren wir oft die komplexen Umstände und Dynamiken, die zu dieser Entscheidung geführt haben.

Im Nachhinein erscheint es oft einfacher, die Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen, als die Vielzahl der Einflüsse anzuerkennen, die zu diesem Zeitpunkt im Spiel waren.

11. Etikettierung: Wenn wir Menschen aufgrund eines einzigen Merkmals beurteilen

Etikettierung (auch Labeling, Schubladendenken oder Abstempelung) bezeichnet die Tendenz, sich selbst oder andere Menschen aufgrund eines einzigen Merkmals oder Verhaltens zu kategorisieren und zu beurteilen. Dabei vereinfachen wir komplexe individuelle Eigenschaften oder Handlungen und schaffen so Stereotype und Vorurteile. Wer etikettiert, sieht andere oft nur durch die Brille dieser einen Etikettierung.

Wenn wir jemanden aufgrund einer einzigen Beobachtung als „faul“ bezeichnen, bei der die Person möglicherweise untätig war, befinden wir uns im Etikettierungsmodus. Diese Etikettierung reduziert die Vielfalt und Komplexität der Person auf ein einziges Merkmal und lässt keinen Raum für andere Facetten ihres Charakters oder Verhaltens.

Ein weiteres Beispiel für Etikettierung sind Vorurteile gegenüber bestimmten Nationalitäten. Die Annahme, dass alle Menschen einer bestimmten Herkunft gleich sind und bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen haben, führt zu Stereotypen und Vorurteilen. Diese Etikettierung blendet individuelle Unterschiede aus und verhindert ein tieferes Verständnis und eine authentische Begegnung mit Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft.

Schubladendenken kann zu Missverständnissen, Konflikten und Diskriminierung führen, weil Menschen aufgrund eines einzigen Merkmals beurteilt werden, anstatt ihre gesamte Persönlichkeit und Lebenserfahrung zu berücksichtigen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Menschen komplexe Wesen sind und ihre Identität nicht auf ein einziges Merkmal reduziert werden kann.

12. Bestrafungsmentalität: Wenn wir andere Menschen hart beurteilen

Die Bestrafungsmentalität beschreibt eine Wahrnehmungsverzerrung, bei der wir dazu neigen, andere Menschen zu bestrafen oder hart zu beurteilen, wenn sie gegen unsere persönlichen Normen oder Erwartungen verstoßen. Dabei fehlt oft die Bereitschaft, sich in die Motive oder Umstände anderer einzufühlen oder sie zu verstehen. Eine solche Haltung kann zu einer negativen und intoleranten Einstellung führen.

Ein Beispiel für eine solche Bestrafungsmentalität ist, wenn wir eine Person sofort verurteilen, weil sie einen Fehler gemacht hat, ohne uns mit ihren persönlichen Herausforderungen oder dem Hintergrund ihres Verhaltens auseinanderzusetzen. Anstatt zu versuchen, die Gründe für das Verhalten zu verstehen oder Mitgefühl zu zeigen, reagieren wir impulsiv mit Kritik oder Ablehnung.

Eine weitere Situation, in der die Bestrafungsmentalität zum Tragen kommt, sind öffentliche Kontroversen oder Skandale. In solchen Situationen werden oft schnelle Urteile gefällt und Menschen ohne ausreichende Informationen und Hintergründe verurteilt. Oft basieren diese Urteile auf oberflächlichen Informationen aus den Medien oder sozialen Netzwerken.

13. Selbstüberschätzung: Der Illusion verfallen

Selbstüberschätzung ist eine kognitive Verzerrung, bei der wir dazu neigen, uns selbst und unsere eigenen Fähigkeiten, Talente oder Meinungen übermäßig positiv zu bewerten. Es ist menschlich, von Zeit zu Zeit ein gesundes Selbstvertrauen zu haben und an sich selbst zu glauben. Eine übermäßige Selbstüberschätzung kann jedoch zu einer unrealistischen Wahrnehmung führen.

Ein Beispiel für Selbstüberschätzung ist, wenn eine Person davon überzeugt ist, dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten für ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Aufgabe besitzt, obwohl sie nicht über die erforderlichen Kenntnisse oder Erfahrungen verfügt. Diese Person überschätzt die eigenen Fähigkeiten und unterschätzt mögliche Hindernisse oder Schwierigkeiten, die auftreten können. Dies kann zu Fehleinschätzungen und möglicherweise zu unerwarteten Problemen oder Misserfolgen führen.

Eine weitere Situation, in der Selbstüberschätzung entstehen kann, ist die Meinungsbildung oder das Treffen von Entscheidungen. Personen mit einer starken Selbstüberschätzung neigen dazu, ihre eigenen Ansichten als die einzig richtigen zu betrachten und alternative Perspektiven oder Argumente zu ignorieren. Dies kann zu einem Mangel an Offenheit und Flexibilität führen und den Dialog oder die Zusammenarbeit erschweren.

14. Ausnahme-Denken: Die Herausforderung, das Gesamtbild zu erkennen

Beim Ausnahme-Denken (auch Einzelfall-Phänomen genannt) neigen wir dazu, eigene oder fremde Fehler als Einzelfälle oder Ausnahmen zu betrachten, anstatt sie als Teil eines größeren Musters oder einer Tendenz zu erkennen. Dies kann dazu führen, dass positive Informationen überbewertet und negative Informationen als unbedeutende Einzelfälle heruntergespielt werden.

Um diese kognitive Verzerrung besser zu verstehen, betrachten wir ein Beispiel aus dem Bereich der Finanzinvestitionen: Ein Anleger hat über einen längeren Zeitraum kontinuierlich Gewinne erzielt. In einer Phase des Marktabschwungs verliert er jedoch einen beträchtlichen Teil seines Vermögens. Anstatt dies als Teil der natürlichen Marktschwankungen und -risiken zu akzeptieren, tendiert der Anleger möglicherweise dazu, diesen Verlust als untypischen Ausreißer zu betrachten und seine Gewinnserie als Normalzustand anzusehen. Diese Sichtweise kann den Blick für die Notwendigkeit trüben, die eigene Anlagestrategie zu überdenken und anzupassen.

Ein weiteres Beispiel ist das Ausnahme-Denken in zwischenmenschlichen Beziehungen. Angenommen, eine Person unterhält eine Freundschaft, die überwiegend positiv und bereichernd ist. Es kommt jedoch zu einem Vorfall, bei dem diese Person von ihrem Freund enttäuscht oder verletzt wird. Anstatt diesen Vorfall als Teil der komplexen Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen zu sehen, könnte die Person dazu neigen, ihn als Ausnahme zu betrachten und die gesamte Freundschaft zu idealisieren oder dieser Einzelfall herunterzuspielen.

15. Überidentifikation: Wenn wir uns zu sehr mit anderen verbinden.

Überidentifikation ist eine kognitive Verzerrung, bei der wir uns stark mit den Gefühlen und Erfahrungen anderer Menschen identifizieren. Dadurch nehmen wir ihre negativen Emotionen und Probleme als unsere eigenen wahr. Dies kann dazu führen, dass wir uns selbst überfordern und vernachlässigen, während wir versuchen, anderen zu helfen.

Ein Beispiel für Überidentifikation ist eine Person, die eine enge Freundin hat, die unter Depressionen leidet. Diese Person fühlt sich so stark mit ihrer Freundin verbunden, dass sie ebenfalls depressive Symptome entwickelt und ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt, um ihrer Freundin zu helfen.

Eine andere Situation, in der Überidentifikation auftritt, ist bei Menschen, die in helfenden Berufen arbeiten, wie z.B. Krankenpfleger oder Therapeuten. Sie sind so sehr mit den Problemen und Leiden ihrer Klienten beschäftigt, dass sie ihre eigenen Grenzen ignorieren und ihre eigene Gesundheit und ihr eigenes Wohlbefinden vernachlässigen.

16. Bestätigungsfehler: Warum wir für neue Perspektiven offen sein sollten

Der Bestätigungsfehler ist eine kognitive Verzerrung, bei der wir dazu neigen, Informationen auszuwählen und zu bevorzugen, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen. Gleichzeitig ignorieren oder entwerten wir Informationen, die unseren Überzeugungen widersprechen. Dies führt dazu, dass wir an unseren Ansichten und Überzeugungen festhalten und keine objektive Bewertung vornehmen.

Die Informationssuche im Internet ist ein typisches Beispiel für den Bestätigungsfehler. Wenn wir bestimmte Überzeugungen oder Meinungen haben, suchen wir oft gezielt nach Quellen oder Beiträgen, die diese unterstützen. Gleichzeitig ignorieren wir möglicherweise Informationen, die alternative Standpunkte oder widerlegende Beweise liefern. Auf diese Weise verstärken wir unsere bestehenden Überzeugungen, ohne einen ausgewogenen Blick auf die Realität zu gewinnen.

Ein weiteres Beispiel ist der Umgang mit sozialen Medien. Wenn wir bestimmte Ansichten haben, folgen wir vielleicht nur Personen oder Gruppen, die diese Ansichten teilen. Dadurch werden wir in unserer Meinung bestätigt und hören wenig von anderen Standpunkten. Wir bestätigen uns selbst und vermeiden den Kontakt mit differenzierten Meinungen, was dazu führen kann, dass wir in einer Bestätigungsblase gefangen sind.

17. Persönlichnehmen: Wenn wir alles auf uns beziehen

Persönlichnehmen ist die Tendenz, Ereignisse oder Aussagen persönlich zu interpretieren und auf sich selbst zu beziehen, auch wenn sie möglicherweise nichts mit einem selbst zu tun haben. Es ist ein Denkmuster, bei dem wir uns automatisch als Hauptakteur sehen und die Handlungen anderer Menschen oder äußere Umstände auf uns beziehen.

Zum Beispiel, wenn wir von jemandem eine abweisende oder unfreundliche Bemerkung erhalten. Anstatt sie als Ausdruck der Stimmung oder des Verhaltens der anderen Person zu sehen, nehmen wir sie persönlich und fühlen uns angegriffen. Wir beginnen vielleicht zu zweifeln, ob wir etwas falsch gemacht haben oder ob die Person uns nicht mag, obwohl es auch andere Gründe für ihr Verhalten geben könnte.

Eine weitere Situation, in der das Persönlichnehmen oft vorkommt, ist die Arbeitswelt. Wenn wir für eine Beförderung nicht ausgewählt werden oder Kritik an unserer Arbeit erhalten, interpretieren wir dies oft als persönlichen Angriff auf unsere Fähigkeiten oder unseren Wert als Mitarbeiter. Wir neigen dazu, es als direkte Bestätigung unserer Unfähigkeit oder Unzulänglichkeit zu sehen, anstatt es als normale berufliche Herausforderung oder konstruktives Feedback zu betrachten.

Auch in Beziehungen kann diese Verzerrung auftreten. Wenn unser Partner einen schlechten Tag hat oder schlecht gelaunt ist, nehmen wir das oft persönlich. Wir glauben, dass wir daran schuld sind oder dass er uns nicht mehr liebt. Wir überbewerten unsere eigene Rolle in der Situation und ignorieren mögliche äußere Faktoren, die sein Verhalten beeinflussen könnten.

18. Zuschreibung: Die Tendenz, das eigene Verhalten externen Faktoren zuzuschreiben

Zuschreibung, auch als Attribution bias bezeichnet, bezieht sich auf die Art und Weise, wie wir Ursachen für ein Verhalten zuordnen. Es ist die Tendenz, das eigene Verhalten externen Faktoren wie Umständen oder Situationen zuzuschreiben, während wir das Verhalten anderer Personen auf deren Persönlichkeit oder Charaktereigenschaften zurückführen.

Verspätungen bei Verabredungen sind ein typisches Beispiel für eine solche Zuschreibung. Anstatt die Verantwortung für unsere Verspätung zu übernehmen, geben wir dem Verkehr, dem schlechten Wetter oder anderen äußeren Umständen die Schuld. Wir neigen dazu, unser Verhalten auf diese Faktoren zurückzuführen und uns selbst zu entschuldigen. Bei anderen, die zu spät kommen, denken wir vielleicht, dass sie grundsätzlich unorganisiert oder nachlässig sind.

Genauso verhält es sich, wenn jemand wenig zu einer Gruppenarbeit beiträgt. Wir sind geneigt, sein Verhalten auf persönliche Eigenschaften wie Faulheit oder Desinteresse zurückzuführen. Unsere eigene geringe Beteiligung führen wir dagegen auf Zeitmangel oder andere äußere Faktoren zurück. Wir tendieren dazu, das Verhalten anderer auf ihre Persönlichkeit zuzuschreiben, während wir unser eigenes Verhalten Umständen oder Situationen anlasten.

19. Verlustaversion: Wenn wir Verluste stärker gewichten als Gewinne

Verlustaversion bezieht sich auf die Art und Weise, wie wir den Verlust von etwas wahrnehmen und darauf reagieren. Es ist die Tendenz, Verluste intensiver wahrzunehmen und emotionaler darauf zu reagieren als auf den potenziellen Gewinn derselben Sache.

Ein Beispiel für Verlustaversion ist, wenn wir einen bestimmten Geldbetrag erhalten haben, aber dennoch das Gefühl haben, dass uns der Verlust dieses Betrags mehr belasten würde als der Gewinn selbst. Wir könnten daher dazu neigen, das Geld zu behalten, um den Verlust zu vermeiden, anstatt es für andere Gelegenheiten zu verwenden, die möglicherweise mit einem gewissen Risiko verbunden sind.

Verlustaversion kommt auch beim Verkauf von Eigentum vor. Selbst wenn wir wissen, dass der Verkauf uns finanzielle Vorteile bringt, fällt es uns oft schwer, uns von dem Besitz zu trennen. Wir empfinden den Verlust des Besitzes stärker als den möglichen Gewinn, den wir damit erzielen könnten.

Verlustaversion kann dazu führen, dass wir risikoscheu werden und an bestehenden Situationen oder Besitztümern festhalten, um Verluste zu vermeiden. 

20. Tunnelblick: Wenn der Fokus auf das Wesentliche verengt ist

Der Tunnelblick ist eine kognitive Verzerrung, bei der wir uns so stark auf eine einzige Sache oder Perspektive konzentrieren, dass wir andere relevante Informationen oder Lösungsmöglichkeiten übersehen. Es ist, als befänden wir uns in einem engen Tunnel und hätten nur einen schmalen Blick auf das, was direkt vor uns liegt.

Diese Verzerrung kann uns daran hindern, alternative Ansätze oder Perspektiven in Betracht zu ziehen, und zu einer eingeschränkten Sichtweise führen.

Wenn wir uns bei der Lösung eines Problems nur auf eine einzige mögliche Lösung konzentrieren und andere Lösungswege außer Acht lassen, handelt es sich beispielsweise um einen Tunnelblick. Wir sind so auf unsere erste Idee fixiert, dass wir andere Ideen gar nicht in Erwägung ziehen. Dadurch können wir wertvolle Alternativen übersehen, die effektiver oder effizienter sein könnten.

Bei zwischenmenschlichen Konflikten kommt der Tunnelblick ebenfalls oft zum Vorschein. Wenn wir uns nur auf unsere eigenen Vorstellungen und Standpunkte fokussieren und die Sichtweise der anderen Person ignorieren, können wir die Chance verpassen, eine gemeinsame Lösung zu finden oder Missverständnisse zu klären. Der Tunnelblick kann zu Kommunikationsproblemen führen und Beziehungen belasten.

21 Der Ikea-Effekt: Wie persönliches Engagement den Wert beeinflusst

Der Ikea-Effekt beschreibt ein interessantes Phänomen: Wir neigen dazu, Dingen, an denen wir selbst beteiligt waren, einen höheren Wert beizumessen. Es handelt sich dabei um eine kognitive Verzerrung, die dazu führt, dass wir unsere eigene Arbeit oder Anstrengung überschätzen und dadurch das Ergebnis positiver wahrnehmen.

Ein bekanntes Beispiel für den Ikea-Effekt sind die DIY-Möbel von Ikea. Wenn Kunden ihre Möbel selbst zusammenbauen, investieren sie Zeit, Energie und manchmal auch Frustration. Das Ergebnis ist jedoch ein Regal, ein Tisch oder ein Schrank, den sie mit Stolz und Zufriedenheit betrachten. Sie empfinden das Möbelstück als etwas Besonderes, weil sie persönlich dazu beigetragen haben.

Beim Ikea-Effekt neigen wir jedoch dazu, unsere eigene Investition in ein Projekt oder eine Sache zu überschätzen, was zu einer verzerrten Wahrnehmung von Wert oder Qualität führen kann. 


Referenzen

1. Beck AT. (1976). Cognitive therapies and emotional disorders.

2. Rnic K, Dozois DJ, Martin RA. Cognitive Distortions, Humor Styles, and Depression. Eur J Psychol. 2016 Aug 19;12(3):348-62. doi: 10.5964/ejop.v12i3.1118. PMID: 27547253; PMCID: PMC4991044.

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