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Die dunkle Nacht der Seele: Phasen, Symptome und Bewältigung

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Inhaltsverzeichnis
Eine Gestalt in dunkler Nacht mitten im Wald

Hast du dich schon einmal verloren gefühlt, völlig entfremdet von allem, was dir einmal lieb und teuer war? 

Kennst du das Gefühl, durch einen dunklen Tunnel zu gehen, ohne am Ende einen Funken Licht zu sehen?

Wenn ja, dann hast du vielleicht die dunkle Nacht der Seele durchlebt – eine Phase tiefster seelischer Erschütterung, die alles in Frage stellt: deinen Glauben, deine Identität, den Sinn deines Lebens.

Vielleicht bist du dir dessen nicht bewusst, aber diese dunkle Nacht ist eine Erfahrung, die viele von uns teilen, oft ohne es zu wissen. Es ist ein verborgener, innerer Konflikt, der uns zutiefst verändert und prägt.

Was ist die dunkle Nacht der Seele und was bedeutet sie?

Definition

Die „Dunkle Nacht der Seele“ ist ein Begriff, der eine spirituelle Krise oder eine Phase der inneren Transformation beschreibt, in der man intensive geistige und emotionale Herausforderungen erlebt.

Es ist eine Zeit intensiver innerer Konflikte, in der man sich verloren oder orientierungslos fühlt, in der alte Konzepte, Glaubenssätze und Identitäten in Frage gestellt und abgelegt werden.

Diese Phase wird als eine Zeit großen Leidens oder emotionaler Turbulenzen erlebt. Sie kann aber auch als eine Zeit der spirituellen Reife und des Wachstums gesehen werden, die zu einer tieferen Verbindung mit sich selbst oder mit dem Göttlichen führen kann.

Der Begriff stammt ursprünglich von dem spanischen Dichter und Mystiker Johannes vom Kreuz. Johannes schrieb das Gedicht „Die dunkle Nacht der Seele“ während seiner Gefangenschaft im Kerker des Ordens in Toledo im Jahr 1577.

Dunkle Nacht der Seele Erleuchtung

In seinem Gedicht beschreibt er diesen Zustand als eine schwierige Reise, die schließlich zu einer engeren Verbindung mit dem Göttlichen führt. Der Weg dorthin geht durch eine „dunkle Nacht“, in der die Seele gereinigt und von weltlichen Dingen gelöst wird.

Eine Phase des Loslassens

Die dunkle Nacht der Seele ist eine Lebensphase, in der man sich von alten Mustern und Glaubenssätzen löst. Es ist eine Zeit des inneren Wandels, in der man sich von allem trennt, was nicht mehr zu einem passt. Ähnlich dem Reinigungsprozess beim Erwachen der Kundalini-Energie, bei dem man alles loslässt, was man nicht mehr braucht.

In dieser finsteren Zeit kann es zu einem Ego-Tod kommen, was bedeutet, dass das alte Ego aufgelöst wird, damit das wahre Selbst erblühen kann.

„Es kann keine Wiedergeburt geben ohne eine dunkle Nacht der Seele, eine völlige Vernichtung all dessen, woran man geglaubt und wofür man sich gehalten hat“.

Inayat Khan

Diese Lebenszeit kann sehr herausfordernd und schmerzhaft sein, da sie oft von Unsicherheit und Verwirrung begleitet wird. Manchmal hat man das Gefühl, dass alles auseinanderfällt und nichts mehr einen Sinn ergibt.

Eine Zeit des spirituellen Wachstums

Doch trotz aller Schwierigkeiten ist die dunkle Nacht auch eine Zeit intensiven spirituellen Wachstums. Mit dem Loslassen von alten Denkmustern und Glaubenssätzen schafft man Raum für neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Man lernt sich selbst besser kennen und beginnt, tiefer in das eigene Selbst vorzudringen. Es ist eine Zeit des Erwachens und des Wandels.

Die dunkle Nacht der Seele Johannes vom Kreuz

In dieser Entwicklungsphase können viele spirituelle Erkenntnisse auftauchen. Man hat plötzlich ein tieferes Verständnis für das Leben und den Sinn hinter allem. Man kann auch eine stärkere Verbindung zu seiner Seele, zur Spiritualität oder zu einem höheren Bewusstsein entwickeln.

Ursachen und Auslöser der dunklen Nacht der Seele

Im Leben eines Menschen können verschiedene Ereignisse als Katalysator für die dunkle Nacht wirken.

Oft ist ein großer Verlust, sei es der Tod eines geliebten Menschen, das Ende einer wichtigen Beziehung, der Verlust des Glaubens an etwas, eine schwere Krankheit oder berufliches Scheitern, der Auslöser für diese spirituelle Erfahrung.

In dieser dunklen Phase unseres Lebens fühlen wir uns von Dunkelheit umgeben, als wären wir in einer endlosen Nacht gefangen.

Solche tiefen Krisen erschüttern das bisherige Selbstbild und die bisherige Weltsicht und zwingen den Menschen, sich mit den Grundfragen der eigenen Existenz auseinanderzusetzen.

Nicht selten wird die dunkle Nacht auch durch eine innere Sehnsucht nach authentischer Selbstverwirklichung und einem tieferen Lebenssinn ausgelöst. Menschen, die sich auf eine spirituelle Suche begeben, können auf innere Schatten, unbewältigte Ängste und verborgene Sehnsüchte stoßen, die sie zu einer Auseinandersetzung mit ihrem wahren Selbst führen.

Liste der Ursachen und Auslöser:

  • Spirituelle Krisen und Aufbrüche

  • Suche nach tieferem Sinn

  • Spirituelles Erwachen

  • Verlust eines geliebten Menschen

  • Traumatische Erfahrungen

  • Berufliche und persönliche Veränderungen

  • Alterungsprozess

  • Innere Konflikte

  • Starke Selbstzweifel

  • Konfrontation mit dem Schatten-Selbst

  • Isolation und Entfremdung

  • Kulturelle, soziale und religiöse Krisen

  • Psychologische Faktoren

  • Depressionen und Angststörungen

  • Burnout und Erschöpfung

Die dunkle Nacht der Seele ist kein zufälliges Ereignis in unserem Leben. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer Reihe von Ursachen und Auslösern, die tief in uns und unseren Erfahrungen verwurzelt sind.

Man kann sich die dunkle Nacht der Seele wie einen langen Flur vorstellen, den wir durch verschiedene Türen betreten können. Drei dieser Türen sind am häufigsten zu finden:

  • 1. Spirituelles Erwachen

    Manchmal beginnt die Reise in die Dunkelheit mit einem plötzlichen, intensiven spirituellen Erwachen. Man sieht die Welt plötzlich mit ganz anderen Augen – alles, was man zu wissen glaubte, steht auf dem Kopf. Das kann passieren, wenn man sich intensiv mit spirituellen Praktiken wie Meditation oder Yoga beschäftigt. Ein prominentes Beispiel ist der weltbekannte Autor und spiritueller Lehrer Eckhart Tolle. Er erlebte eine tiefe persönliche Transformation, die mit einer Phase intensiver innerer Unruhe und Angst begann.

  • 2. Ein traumatisches Erlebnis

    Auch traumatische Erlebnisse wie der Verlust eines nahestehenden Menschen, eine schwere Krankheit oder ein lebensbedrohlicher Unfall können ein Türöffner sein. Sie zwingen uns, uns unseren tiefsten Ängsten und Unsicherheiten zu stellen. Das zeigt die Geschichte von Elisabeth Kübler-Ross, der berühmten Psychiaterin und Pionierin der Sterbeforschung. Ihre Arbeit mit sterbenden Patienten führte sie durch eine eigene dunkle Nacht, die ihr Verständnis von Leben und Tod tiefgreifend veränderte.

  • 3. Spirituelle Krisen

    Manchmal beginnt die dunkle Nacht mit einer spirituellen Krise – einem tiefen Zweifel an den eigenen Überzeugungen und der Suche nach Sinn. Dies kann geschehen, wenn die Glaubenssätze und Überzeugungen, die uns einmal Halt gegeben haben, nicht mehr zu passen scheinen. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Mutter Teresa. In ihren Briefen berichtet sie von einem langen und schmerzhaften Weg in die spirituelle Dunkelheit, während sie gleichzeitig unermüdlich diente.

Anzeichen und Symptome der dunklen Nacht der Seele

Die dunkle Nacht der Seele macht sich durch eine Reihe von emotionalen, mentalen und oft auch körperlichen Symptomen bemerkbar. Dazu können gehören:

  • 1. Körperliche Symptome

  • Müdigkeit

  • Schlaflosigkeit

  • Magen-Darm-Probleme

  • Kopfschmerzen

  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger

  • Mangel an Vitalität

  • 2. Emotionale und psychische Symptome

  • Traurigkeit

  • Wut

  • Angst

  • Verzweiflung

  • Einsamkeit

  • Trauer

  • Sinnkrise oder Identitätskrise

  • Gefühl des Verlorenseins

  • Depressive Stimmung

  • Emotionale Schmerzen und Leiden

  • Zweifel an bisherigen Überzeugungen und Lebenswegen

  • Rückzug von sozialen Kontakten und Aktivitäten

  • Vermindertes Selbstwertgefühl

  • Unsicherheit

  • 3. Mentale Symptome

  • Sinnlosigkeit

  • Verwirrung

  • Zweifel

  • Verlust des Glaubens

  • Abbau alter Identitäten und Glaubenssysteme

Dunkle Nacht der Seele und Depression – ist das das Gleiche?

Die dunkle Nacht der Seele und die Depression werden oft verwechselt, da beide mit Gefühlen der Dunkelheit und des Leidens verbunden sind.

Obwohl ähnliche Symptome auftreten können, sind die dunkle Nacht der Seele und die Depression nicht dasselbe. Beide Zustände können mit Gefühlen von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verlust einhergehen. Dennoch gibt es wichtige Unterschiede in ihren Ursachen und Hintergründen.

Die dunkle Nacht der Seele, wie sie Johannes vom Kreuz beschreibt, hat einen spirituellen Hintergrund. Sie ist eine Phase des inneren Wachstums und der Veränderung, in der das Ego stirbt und eine tiefere Verbindung zur Transzendenz gefunden wird. Meist steht sie im Zusammenhang mit einer spirituellen Krise oder der Suche nach einem tieferen Lebenssinn.

Menschen, die diese Erfahrung machen, spüren eine gewisse Entfremdung von ihrer bisherigen Lebensweise und suchen nach Antworten auf existentielle Fragen. Es kann ein Gefühl der Leere oder des Verlusts entstehen, aber auch die Suche nach einer tieferen Verbindung zur Spiritualität oder zum Universum.

Dunkle Nacht der Seele und Depressionen

Depressionen hingegen haben eine medizinische oder psychologische Ursache. Sie können durch ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn verursacht werden oder als Reaktion auf traumatische Ereignisse oder schwierige Lebensumstände auftreten.

Menschen mit Depressionen haben oft Schwierigkeiten, Freude oder Interesse an Aktivitäten zu empfinden, die ihnen früher Spaß gemacht haben. Sie fühlen sich niedergeschlagen, müde und hoffnungslos.

Ein weiterer Unterschied zwischen der dunklen Nacht der Seele und Depression besteht in der Art und Weise, wie mit diesen Zuständen umgegangen wird.

In der dunklen Nacht der Seele wird die Krise als Chance für persönliches Wachstum und spirituelle Entwicklung gesehen. Dieser Zustand führt zu einer intensiven Selbstreflexion und wirkt als Katalysator für persönliches Wachstum.

Menschen, die diese Erfahrung machen, sind oft motiviert, nach tieferen Bedeutungen und einem neuen Verständnis von sich selbst zu suchen. Selbstreflexion und innere Arbeit spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieser Lebensphase.

Dunkle Nacht der Seele Depression

Bei einer Depression hingegen kann es schwierig sein, einen Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit zu finden.

Oft ist professionelle Hilfe erforderlich, um die Ursache der Depression zu bestimmen und geeignete Behandlungsmethoden zu finden. Therapie, Medikamente oder eine Kombination aus beidem mögen in solchen Fällen angebracht sein.

AspektDunkle Nacht der SeeleDepression
UrsachenSpirituelle Krise, Suche nach tieferem Lebenssinn, inneres Wachstum.Medizinisch oder psychologisch (chemisches Ungleichgewicht, traumatische Ereignisse).
SymptomeTraurigkeit, Leere, Verlustgefühl, Entfremdung von bisherigem Leben, existenzielle Fragen.Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit.
Ziel/ErgebnisPersönliches Wachstum, spirituelle Entwicklung, Selbstreflexion, Ego-Transformation.Wiedererlangen von Freude und Interesse, Stabilisierung des emotionalen Zustandes.
Behandlung/AnsatzInnere Arbeit, Selbstreflexion, spirituelle Praktiken, manchmal therapeutische Unterstützung.Professionelle Hilfe (Therapie, Medikamente), Behandlung psychologischer Ursachen.
Unterschiede zwischen der dunklen Nacht der Seele und der Depression

4 Phasen der dunklen Nacht der Seele

Die Abhandlungen des Johannes vom Kreuz über seine Gedichte beschreiben die Phasen der dunklen Nacht. Die erste Phase ist die Reinigung der Sinne, während die nächsten Phasen mit der intensiveren Reinigung des Geistes verbunden sind.

Die aktive Reinigung der Sinne ist der Beginn der mystischen Reise, gefolgt von der Erleuchtung und schließlich der Vereinigung mit Gott. Zwischen der Erleuchtung und der vollständigen Vereinigung findet die passive Reinigung des Geistes statt, wenn die Gegenwart Gottes bereits spürbar, aber noch nicht stabil ist.

In dieser Zeit erlebt man eine überwältigende Einsamkeit und Dunkelheit, die Herz und Seele erschüttern können. Es ist ein Zustand, in dem man innerlich die Trennung vom Göttlichen spürt, als ob Gott abwesend wäre und man sich von ihm verlassen fühlt.

1. Die Anfangsphase: Entfremdung von Gott und Verlust des inneren Friedens

In dieser Phase beginnt die dunkle Nacht. Hier erleben viele Menschen ein überwältigendes Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. Es ist, als ob man sich in einem dunklen Raum ohne Fenster befindet. Man fühlt sich emotional abgeschnitten von der Außenwelt und sogar von seinem eigenen inneren Kern.

Oft geht damit auch eine Entfremdung von Gott oder dem, was man bisher als spirituell empfunden hat, einher. Dieser Verlust des inneren Friedens kann z.B. bei einem Menschen auftreten, der nach einem traumatischen Ereignis seinen Glauben in Frage stellt. Die zuvor sicher und geordnet erscheinende Welt wird plötzlich fremd und chaotisch.

2. Konfrontationsphase: Erfahrung von Dunkelheit und Leere

In dieser Phase setzt man sich mit seinen tiefsten Ängsten, seinem Schmerz und seinem Schattenselbst auseinander. Es ist ein Kampf mit den dunklen Seiten der eigenen Persönlichkeit, ähnlich wie bei Carl Jungs Konzept des Schatten-Selbst.

Diese Konfrontation kann sehr schmerzhaft sein und fühlt sich oft wie ein Sturz in einen noch tieferen Abgrund von Dunkelheit und Leere an. Dies könnte der Fall sein, wenn jemand nach dem Ende einer langjährigen Beziehung plötzlich mit seinen tiefsten Unsicherheiten und unterdrückten Emotionen konfrontiert wird.

3. Phase der Auflösung: Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit

In dieser Phase werden bisherige Glaubensmuster und Weltbilder in Frage gestellt und oft aufgegeben. Dieser Prozess des Loslassens von alten Überzeugungen und Strukturen kann von einem Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit begleitet werden.

Manche Menschen erleben in dieser Zeit eine Art „spirituellen Zusammenbruch“, bei dem alles, was einst sicher und fest schien, in sich zusammenbricht. Hier entsteht Raum für neue Sichtweisen und Lebensansätze, aber der Übergang ist nicht selten von großem emotionalen Schmerz geprägt.

4. Phase der Erneuerung

In der letzten Phase findet die Erneuerung statt. Hier bilden sich neue Werte und ein neues, tieferes Verständnis von sich selbst und der Außenwelt.

Viele erleben ein spirituelles Erwachen oder eine Wiederentdeckung der Lebensfreude. Es ist wie der Sonnenaufgang nach einer langen, dunklen Nacht.

Diese Phase kann man mit dem Moment vergleichen, in dem ein Schmetterling aus seinem Kokon schlüpft – ein völlig neues Wesen, das aus den Trümmern des Alten entstanden ist.

Die Dauert der dunkle Nacht der Seele

Wie lange die dunkle Nacht der Seele dauert, ist eine Frage, die viele Menschen beschäftigt. 

Die genaue Dauer der dunklen Nacht der Seele ist so individuell wie der menschliche Lebensweg selbst und lässt sich nicht in ein festes Zeitkorsett zwängen.

Für manche ist diese Phase eine Angelegenheit von Monaten, in denen sie sich intensiv mit ihren inneren Ängsten und Sehnsüchten auseinandersetzen. Andere hingegen durchleben diesen inneren Umbruch über Jahre hinweg in einem langsamen Prozess der Veränderung und Erkenntnis.

Ein entscheidender Faktor, der die Dauer beeinflusst, ist die Art und Tiefe der Ereignisse oder Erkenntnisse, die die dunkle Nacht ausgelöst haben. Ein plötzlicher, traumatischer Schicksalsschlag kann beispielsweise zu einem heftigen, aber kürzeren Prozess der inneren Auseinandersetzung führen als eine sich allmählich entwickelnde spirituelle Krise, die das eigene Glaubenssystem in seinen Fundamenten erschüttert.

Dunkle Nacht der Seele spirituell

Die Dauer kann auch von der Art der eigenen spirituellen Praxis abhängen. Mystiker und spirituelle Sucher wählen vielleicht bewusst einen Weg, der die Transformation vorantreibt und den inneren Prozess beschleunigen kann. Sie nehmen sich Zeit, um Meditation, Kontemplation und andere spirituelle Praktiken zu praktizieren. Diese erlauben ihnen, tiefer nach innen zu gehen und mit ihrem wahren Selbst in Resonanz zu treten. 

Hinzu kommen die persönliche Resilienz und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Menschen, die Zugang zu therapeutischer Unterstützung haben oder sich in einem unterstützenden Umfeld befinden, können oft schneller durch die Phasen der Dunklen Nacht navigieren.

Die dunkle Nacht der Seele ist kein „Schnelldurchlauf“, sondern eine tiefe, nicht selten schmerzhafte Auseinandersetzung mit sich selbst, die zu nachhaltigem persönlichem Wachstum führt. Der Schlüssel liegt darin, diesen Prozess zu akzeptieren, sich ihm zu stellen und die Zeit und Geduld aufzubringen, die für eine echte Transformation notwendig sind.

Die dunkle nacht der Seele in der Psychologie

In der Psychologie, insbesondere in der transpersonalen Psychologie, wird die dunkle Nacht der Seele als eine schwere existentielle Krise betrachtet, die über die konventionellen klinischen Definitionen psychischer Störungen hinausgeht. Sie beinhaltet spirituelle oder existentielle Herausforderungen, die in vielen Fällen tiefgreifende persönliche Veränderungen und Wachstum mit sich bringen.

Die Transpersonale Psychologie, die von Pionieren wie Stanislav Grof und Abraham Maslow geprägt wurde, betrachtet die menschliche Erfahrung in einem viel weiteren Kontext, der auch spirituelle und mystische Dimensionen einschließt. In diesem Rahmen wird diese dunkle Nacht nicht als Pathologie, sondern als wichtiger Bestandteil des menschlichen Wachstumsprozesses gesehen.

Dunkle Nacht der Seele Dauer

Es ist eine Zeit, in der alte Identitätsstrukturen und Weltanschauungen auf den Prüfstand gestellt und zerstört werden, um Platz für neue, reifere und authentischere Formen des Seins zu schaffen.

Ein wichtiger Aspekt der Transpersonalen Psychologie ist die Auffassung, dass spirituelle Krisen wie die dunkle Nacht der Seele als Chance für persönliches Wachstum und Bewusstseinserweiterung gesehen werden können.

Dabei geht es nicht darum, die Krise im herkömmlichen Sinne zu „heilen“, sondern sie als integralen Bestandteil der menschlichen Existenz und als Chance zur Selbstentfaltung zu verstehen.

Die dunkle Nacht der Seele aus spiritueller Sicht

Im spirituellen Kontext ist die dunkle Nacht der Seele eine Phase gründlicher innerer Reinigung und geistiger Wandlung.

In dieser Zeit erlebt man eine Art Ego-Tod, um zu einer höheren Form des Bewusstseins zu erlangen. Dieser Prozess kann dem Verlust der Identität und dem Zerfall bisheriger Lebenskonzepte gleichkommen.

Doch gerade in dieser Finsternis, fernab von äußeren Ablenkungen, kann eine echte Begegnung mit sich selbst stattfinden. Dieser Prozess dient dazu, die Seele zu reinigen und sie auf eine neue, authentischere Ebene des Seins zu heben, frei von Illusionen und falschen Identifikationen.

„Die dunkle Nacht der Seele kommt kurz vor der Erlösung. Wenn alles verloren ist und alles dunkel erscheint, dann kommt das neue Leben und alles, was nötig ist.“

Joseph Campbell

In vielen spirituellen Traditionen wird die dunkle Nacht als eine Vorstufe des Erwachens betrachtet. Eine Krise, die notwendig ist, um das wahre Wesen des Menschen ans Licht zu bringen und ihn auf den Weg der Selbsterkenntnis zu führen.

Die Dunkelheit, die man durchlebt, ist eine Art Reinigungsfieber, in dem man sich von Illusionen und falschen Vorstellungen von sich selbst befreit. Nach dieser Lebensphase kann man zu einem höheren Bewusstsein erwachen und eine tiefere Verbindung mit dem Universum kann sich ausbreiten.

Bewältigungsstrategien und Wege zu innerer Stärke und Erneuerung

Schattenarbeit und Selbsterkenntnis spielen eine wichtige Rolle bei der Überwindung der dunklen Nacht der Seele. Beides sind Prozesse, die die Dunkelheit aufdecken und dabei helfen, sich selbst zu verstehen.

Bei der Schattenarbeit wird das Bewusstsein auf innere Blockaden und Ängste gelenkt, um diese zu erkennen und zu transformieren. Die Selbsterkenntnis geht noch einen Schritt weiter und gibt dem Menschen einen Einblick in seine wahren Bedürfnisse und Wünsche.

Beide Prozesse zusammen ermöglichen es, die Dunkelheit der Seele zu überwinden und zu einem authentischen Selbstbewusstsein zu gelangen.

Einige Bewältigungsstrategien können dabei helfen, diesen schwierigen Weg zu navigieren.

  • 1. Akzeptanz und Bewusstseinsbildung

    Der erste Schritt ist oft der schwerste: Zu akzeptieren, dass man sich in einer seelischen Dunkelheit befindet. Das bedeutet, die Situation nicht als etwas zu sehen, das „repariert“ werden muss, sondern als eine Lebensphase, die wertvolle Lektionen und Wachstumschancen bietet. Dies erfordert ein hohes Maß an Selbstvertrauen und die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Gedanken wertfrei zu beobachten.

  • 2. Unterstützung suchen

    Obwohl die dunkle Nacht eine sehr persönliche Erfahrung ist, bedeutet das nicht, dass man sie alleine durchstehen muss. Der Austausch mit vertrauten Freunden, die Suche nach professioneller Hilfe oder der Anschluss an spirituelle Gemeinschaften können eine große Unterstützung sein. Therapeuten, insbesondere solche, die mit transpersonalen oder spirituellen Ansätzen vertraut sind, können wertvolle Hilfe leisten.

  • 3. Spirituelle Praktiken

    Meditieren, Gebet, Yoga oder Kontemplation können als Anker in turbulenten Zeiten dienen. Diese Praktiken helfen, sich zu erden und eine Verbindung zum inneren Selbst oder zu einer höheren Macht herzustellen. Sie fördern auch Achtsamkeit und Präsenz im gegenwärtigen Moment, was im Umgang mit Angst und Verzweiflung hilfreich sein kann.

  • 4. Kreativer Ausdruck

    Kunsttherapie, Schreiben, Musik oder jede andere Form des kreativen Ausdrucks können als Ventil dienen, um Gefühle und Gedanken zu verarbeiten. Kreativität ermöglicht es, innere Turbulenzen in etwas Greifbares und Verständliches umzuwandeln.

  • 5. Selbstfürsorge

    In Zeiten der Krise ist es wichtig, auf die eigene körperliche und seelische Gesundheit zu achten. Dies kann regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf bedeuten. Ebenso wichtig ist es, Routinen zu etablieren, die Stabilität und Struktur geben.

  • 6. Perspektivenwechsel

    Das Lesen inspirierender Literatur oder das Hören von Vorträgen kann dabei helfen, die eigene Situation in einem neuen Licht zu sehen. Oft bietet auch die Beschäftigung mit geistlichen oder philosophischen Texten neue Einsichten und Perspektiven.

  • 7. Geduld und Zeit

    Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die dunkle Nacht der Seele nicht von heute auf morgen vorbei ist. Dieser Prozess braucht Zeit und Geduld. Sich selbst Mitgefühl und Zeit zu geben, ist der Schlüssel zur Heilung.


Referenzen

1. Gerald May. Die Nacht der Seele: Mit Mystikern aus der Depression, Verlag: Sankt Ulrich Verlag, 2008. 

2. McKee, Kaye P. When God Walks Away. A Companion to the Dark Night of the Soul. New York City: Crossroad Publishing Company, 2006.

3. Assagioli, R. Selbst-Verwirklichung und psychologische Störungen. In Grof, Stanislav. (2008) Spirituelle Krisen – Chancen der Selbstfindung. Schirmer Verlag, Darmstadt. S.61-94.

4. Grof, S., Grof, Ch. Spirituelle Krisen und Bewusstseinsentwicklung. In Grof, Stanislav. (2008) Spirituelle Krisen – Chancen der Selbstfindung. Schirmer Verlag, Darmstadt. S. 23-60.

5. Wilber, K. The Spectrum of Pathologies. In Walsh, R. & Vaughan, F. (1993) Paths Beyond Ego. The Transpersonal Vision. Jeremy P. Tarcher/Putnam, New York.

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